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Anforderungen dokumentieren

Strukturiert, präzise und gut umsetzbar

Anforderungen zu dokumentieren gehört zu den Kernaufgaben der Business Analyse. Trotzdem zeigt die Praxis: Viele Anforderungen sind zwar gut gemeint, aber nicht eindeutig, nicht vollständig oder nicht überprüfbar formuliert. Details oder wichtige Bestandteile werden oft vergessen, angenommen oder der IT-Entwicklung „überlassen“. Die Folgen reichen von Rückfragen über Fehlentwicklungen bis zu unnötigen Schleifen in Umsetzung und Test.

Wir bündeln hier die Erkenntnisse zur Anforderungsdokumentation und geben konkrete Tipps für Business Analysten, Product Owner, Requirements Engineers und Fachbereiche, die Anforderungen formulieren. Der Fokus liegt nicht auf einzelnen Formaten, sondern auf den inhaltlichen Prinzipien, die tragfähige Anforderungen ermöglichen.

Warum strukturierte Anforderungsdokumentation unverzichtbar ist

Anforderungen entstehen im Austausch mit Fachbereichen, Stakeholdern und Umsetzungsteams, aber bleiben oft implizit. Aber „darüber sprechen“ reicht nicht aus. Gute Anforderungsdokumentation schafft Verbindlichkeit, entfaltet ihre Wirkung aber erst, wenn sie schriftlich fixiert, strukturiert und überprüfbar vorliegt.

Gut dokumentierte Anforderungen sorgen dafür, dass fachliche Erwartungen so beschrieben sind, dass sie gemeinsam verstanden, technisch umgesetzt und objektiv geprüft werden können.

Konkret leistet gute Anforderungsdokumentation vier Dinge

Ein gemeinsames Verständnis zwischen Fachlichkeit und Technik

Anforderungen sind klar, vollständig und so formuliert, dass Entwicklungsteams konkret damit arbeiten können.

Reduziert Interpretationsspielräume

Begriffe, Ziele und Scope sind eindeutig geklärt – Missverständnisse werden reduziert.

Gezielte Tests und Abnahmen

Anforderungen sind konkret beschrieben und mit Akzeptanzkriterien versehen, sodass Tests gezielt abgeleitet werden.

Grundlage für Änderungen und Weiterentwicklungen

Entscheidungen, Prioritäten und Auswirkungen von Änderungen bleiben nachvollziehbar und kontrollierbar.

Anforderungsdokumentation ist kein Selbstzweck. 
Sie ist ein zentrales Steuerungsinstrument!

Die fünf inhaltlichen Grundbausteine präziser Anforderungsdokumentation

Unabhängig vom gewählten Dokumentationsformat lassen sich professionelle Anforderungen auf fünf zentrale Fragen zurückführen. Diese Struktur hilft, Anforderungen vollständig zu denken und sauber zu formulieren:

  1.  Was? – Aufgabe / Funktionalität
  2.  Wer? – Aufgabenträger
  3.  Womit? – Technik / Sachmittel
  4.  Wie? – Automatisierungsgrad
  5.  Unter welchen Voraussetzungen? – Bedingungen

     

1. Was ist die Aufgabe oder Funktionalität?

Im Zentrum jeder Anforderung steht eine konkrete fachliche Aufgabe. Entscheidend ist eine klare, aktive Formulierung mit Verb und Objekt.

Beispiel:
Statt „Artikelsuche“ wird „Artikel suchen“ formuliert.

Diese scheinbar kleine sprachliche Präzisierung verhindert Mehrdeutigkeiten. Nominalisierungen lassen offen, was genau passieren soll, während eine Verb-Objekt-Struktur die fachliche Intention eindeutig macht.

Im Requirements Engineering, wird es auch als atomare, handlungsorientierte Formulierung bezeichnet.

 

2. Wer führt die Aufgabe aus?

Jede Anforderung braucht einen klaren aktiven Aufgabenträger:

  • ein Mensch (z. B. Kunde, Sachbearbeiter)
  • ein IT-System
  • oder einen Menschen der ein IT-System nutzt.

Aktive Formulierungen sind hier essenziell. Ob eine Funktion vom Nutzer ausgelöst oder automatisch vom System ausgeführt wird, hat direkte Auswirkungen auf Benutzeroberflächen, Automatisierungslogik und technische Architektur.

Viele Standards, wie z.B. dem BABOK der IIBA oder IREB / CPRE (Leitlinien zum Requirements Engineering) warnen explizit vor Passivformulierungen , da sie Verantwortlichkeiten verschleiern.

 

3. Welche Technik oder Sachmittel kommen zum Einsatz?

Anforderungen beziehen sich nicht nur abstrakt auf „das System“. Häufig sind zusätzliche technische oder organisatorische Mittel relevant, etwa:

  • mobile Endgeräte
  • Authentifizierungsverfahren
  • externe Systeme oder Schnittstellen

Diese bewusst zu benennen erhöht die Verständlichkeit und unterstützt eine realistische Umsetzungsplanung.

 

4. Wie wird die Aufgabe durchgeführt?

Hier geht es um den Grad der Automatisierung. In der Praxis lassen sich drei Grundformen unterscheiden:

  • vollautomatisiert (ohne Benutzerinteraktion)
  • Mensch–Maschine-Interaktion
  • rein manuell außerhalb eines IT-Systems.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, um falsche Annahmen über Bedienung, Verantwortlichkeit oder technische Machbarkeit zu vermeiden.

 

5. Unter welchen Voraussetzungen gilt die Anforderung?

Viele Anforderungen gelten nicht jederzeit, sondern nur unter bestimmten Bedingungen. Diese Voraussetzungen explizit zu dokumentieren ist ein zentraler Qualitätsfaktor. Es wird auch häufig von Vorbedingungen oder Triggern gesprochen.

Typische Bedingungen sind:

  • logische Bedingungen (z. B. Nutzer ist authentifiziert)
  • zeitliche Bedingungen (z. B. Session nicht älter als 15 Minuten).

Fehlen diese Angaben, entstehen Lücken, die in der Umsetzung „gefüllt“ werden müssen – oft ohne fachliche Rückkopplung.

Unterscheide universelle und nicht-universelle Anforderungen

Ein hilfreiches Prinzip ist die Unterscheidung zwischen Anforderungen, die immer gelten, und solchen, die nur unter bestimmten Voraussetzungen greifen. In der Praxis sind die meisten Anforderungen nicht-universell. Werden ihre Bedingungen nicht explizit formuliert, steigt das Risiko von Fehlinterpretationen erheblich.

 
Universelle Anforderungen
Nicht-universelle Anforderungen
  
 Sie gelten unabhängig von Kontext oder Zustand, etwa:Sie setzen mindestens eine Bedingung voraus, etwa:  
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Vertiefung: Podcast zur Anforderungsdokumentation

Im Podcast „Anforderungen dokumentieren – strukturiert, nachvollziehbar und technisch umsetzbar“ werden die hier dargestellten Prinzipien vertieft. 

Fachbuchautor, ibo Trainer und Produktmanager Axel Naumann erklärt anhand konkreter Beispiele, wie Anforderungen klar, eindeutig und umsetzbar entstehen. Der Fokus liegt auf Sprache, Struktur und den oft übersehenen Voraussetzungen von Anforderungen.

Funktionale Anforderungen beschreiben, was ein System leisten soll.
In der Praxis entscheidet jedoch oft zusätzlich über Erfolg oder Misserfolg: die Qualität dieser Leistung. Genau hier setzen nicht-funktionale Anforderungen, auch als Qualitätsanforderungen bezeichnet, an. NFRs sind oft der Unterschied zwischen „funktioniert irgendwie“ und „produktreif“.

Nicht-funktionale Anforderungen formulieren

Von der Erkenntnis zur Anwendung: Formate der Anforderungsdokumentation

Die beschriebenen Prinzipien guter Anforderungsdokumentation sind formatunabhängig. Sie lassen sich in unterschiedlichen Formaten umsetzen: 

klassische Anforderungs-Spezifikationen

Eignen sich vor allem bei hoher Komplexität, klaren Abnahmeprozessen oder regulatorischen Anforderungen. Gut strukturierte Spezifikationen stellen sicher, dass Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Vorbedingungen und Qualitätskriterien vollständig beschrieben sind.

User-Storys mit erweiterten Akzeptanzkriterien

Bieten einen leichten Einstieg, reichen allein jedoch oft nicht aus. Erst durch präzise Akzeptanzkriterien, konkrete Beispiele und klar formulierte Vorbedingungen werden sie zu belastbaren Anforderungen.

hybride Requirement Cards

Verbinden die Klarheit klassischer Anforderungen mit der Flexibilität agiler Backlogs. Durch feste Felder für Aufgabe, Akteur, Voraussetzungen, Akzeptanzkriterien und nicht-funktionale Anforderungen unterstützen sie eine konsistente Dokumentation über alle Ebenen hinweg.

modellgestützte Ergänzungen (Prozess, Regeln, Daten)

Prozesse, Entscheidungslogiken oder Datenstrukturen lassen sich oft besser visuell erfassen als rein textlich beschreiben. Modelle ergänzen die Dokumentation dort, wo Text an seine Grenzen stößt – insbesondere bei Ausnahmen, Regeln und Schnittstellen.

Denn die Erfahrung zeigt: Ohne wiederverwendbare Templates sinkt die Qualität schnell, weil wichtige Aspekte vergessen, verkürzt oder uneinheitlich dokumentiert werden. Templates helfen, die inhaltlichen Anforderungen an gute Dokumentation im Alltag zuverlässig umzusetzen. 

Mehr Wissen und Best Practices zu Anforderungsdokumentation

Weiterbildung für Business Analyst:innen

Wer Anforderungen nicht nur dokumentieren, sondern systematisch erheben, strukturieren und absichern möchte, kann die Inhalte im Rahmen einer Weiterbildung zur Business Analyse vertiefen. Dabei geht es unter anderem um: 

  • funktionale und nicht-funktionale Anforderungen 

  • Qualitätskriterien und typische Fallstricke 

  • die Anwendung im Projekt- und Organisationskontext 

Der ibo Podcast zu Business Analyse und Requirements

Axel Naumann im Podcast, warum nicht-funktionale Anforderungen die Qualität einer IT-Lösung entscheidend steigern

Nicht-funktionale Anforderungen steigern die Lösungsqualität

Jezz' ma Butter bei die Analyse! Vol. 15

Nicht-funktionale Anforderungen werden oft unterschätzt, dabei sind sie entscheidend für die Qualität jeder IT-Lösung. In dieser Episode spricht Axel Naumann darüber, wie Du sie erkennst, formulierst und gezielt zur Qualitätssteigerung nutzt – mit…

Axel-Bruno Naumann Video Systematische Business-Analyse Teil 2

Requirements Engineering in 6 Schritten für Business-Analysten, Product Owner und Co.

Business-Analyse-Jezz' ma Butter bei die Analyse 6

Axel-Bruno Naumann erklärt in diesem Podcast die sechs Schritte des Requirements Engineering, um Anforderungen (z. B. an ein IT-System) zu ermitteln, zu analysieren und zu dokumentieren.

Axel-Bruno Naumann, Florian Werner-Jäger zu KI im RE im ibo Podcast zur  Business Analyse

KI im Anforderungsmanagement 1

Jezz' ma Butter bei die Analyse! Vol. 18

Wie kann mich künstliche Intelligenz bzw. ChatGPT unterstützen in der Erhebung, Analyse und Dokumentation von Anforderungen? Dieser Frage geht Axel Naumann im Gespräch mit dem KI-Experten Florian Werner-Jäger in einer weiteren Folge der Serie "KI im…

Lesetipps zu Anforderungsmanagement und Requirements Engineering

Mann vor Kanbaan-Board im Business Analyse Seminar von ibo

Videos rund um Anforderungen

Tipps, Impulse und Best Practices – das finden Sie auf unserem YouTube-Channel. Gleich reinschauen und einen Daumen hoch dalassen!
 

Axel-Bruno Naumann bei Podcastaufnahme

Fachblog Business Analyse

Im Blog finden Sie wertvolle Impulse zu allen Aspekten von Business Analyse, Requirements Engineering und Anforderungsmanagement. Erleben Sie optimale Anforderungen: gleich reinlesen und auch reinhören!

 

Titelbild Business Analyse Buch - Praxiswissen rund um Anforderungen

Fachbuch für Anforderungsmanager:innen

Systematisches Vorgehen und eine umfangreiche Sammlung von Tools und Methoden. Profitieren Sie vom durchgehenden Praxisbeispiel. Für alle, die fachliche Anforderungen optimal in (technische) Lösungen verwandeln.

Begeisterte Mitarbeitende welche digitale Transformationen im Unternehmen gestalten

Business-Analyse

Weiterbildung, Wissen, Bücher und Beratung rund um Business-Analyse und Anforderungsmanagement

Modell für das Multiprojektmanagement auf operativer und strategischer Ebene

Agile Business Analyse

Erfahre, was Agilität für Business Analyse bedeutet, wann agiles Arbeiten mit Requirements sinnvoll ist und wie sich das in Scrum integrieren lässt.

Anforderungsklassen

Nicht-funktionale Anforderungen

Warum nicht funktionale Anforderungen so wichtig für den Lösungserfolg sind und wie sich sich von funktionalen Anforderungen unterscheiden. Mit Beispielen, Checklisten und einem interaktiven Chatbot als Lernhilfe.

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