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Kulturwandel Unternehmen
Rahmenbedingungen, die die Veränderungsbereitschaft erhöhen
Auf dieser Seite erfährst Du, wie du Veränderungsbereitschaft im Unternehmen stärkst, ohne das Gute am Bestehenden zu verlieren. Der Traditionstroll steht für innere Widerstände – Du lernst, wie du ihn einbindest, Lernkultur förderst und echte Veränderungsfähigkeit in Organisationen aufbaust.
Interview mit Frank Hartmann
(ibo Podcast | Episode 64)
Jeder kennt und auch jeder hat ihn: den Traditionstroll. Der „Traditionstroll“ dient als Bild für unseren inneren Bewahrer, der Stabilität sucht und Veränderungen deshalb oft Widerstand entgegenbringt. Doch statt ihn zu bekämpfen, lohnt es sich, ihn genauer zu betrachten und in unser Verhalten und unsere Entscheidungen einzubinden. Denn der “Traditionstroll”, so zeigen Nadine Paul und Frank Hartmann in dieser Episode auf, ist ein individuelles Gerüst aus psychologischen Grundbedürfnissen, persönlichen Prägungen und Erfahrungen.
Ein zentrales Future Skill zieht sich durch: sich selbst und die Organisation immer wieder neu erfinden – in kleinen, erprobten Schritten, die Wirkung zeigen und somit den Traditionstroll zum Verbündeten machen. Frank zeigt auf, wie man im Unternehmen Räume für diese Entschwicklungen öffnet.
Interessant für...
Die Episode richtet sich an Fach- und Führungskräfte, Change-Verantwortliche, Organisationsentwickler:innen und Mitarbeitende, die ihre persönliche und organisationale Veränderungsbereitschaft bewusst stärken wollen.

Über die Podcaster:innen
Nadine Paul beschäftigt sich als Podcasterin mit Themen der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Dabei geht sie die Themen mit ihren Interviewpartnern locker-launig und mit Tiefgang an. Die Passion ihres Gasts Frank Hartmann liegt darin, psychologische Aspekte und Achtsamkeit stärker in den wirtschaftlichen Kontext einzuführen. Er blickt auf über 25 Jahre Erfahrung als Coach,Trainer und Berater zurück, wobei sein Schwerpunkt die Begleitung von Veränderungsprozessen auf den Ebenen Individuum, Team und Organisation ist. Täglich bildet er sich mit Podcasts, Videos und Masterclasses weiter, um neue Inspirationen für seine Arbeit “herauszufiltern”.
Es gibt einen Traditionstroll in uns allen. (…) Wenn ich von integraler Persönlichkeitsentwicklung ausgehe, dann geht es darum, diesen Anteil in mir anzunehmen und als Freund mir zunutze zu machen und zu sagen: Komm, mein lieber Traditionstroll, setz dich mal hin und wir sprechen. Und wie können wir die Veränderung gemeinsam gestalten?
Frank Hartmann
Kernaussagen im Blick
- Traditionstroll als hilfreiches Bild nutzen
Der Traditionstroll steht für den inneren Bewahrer, der am Bestehenden festhält und Sicherheit sucht. Statt ihn zu verteufeln, lohnt es sich, seine Funktion zu verstehen und ihn als informelle Rolle zu würdigen: Er schützt das, was gut funktioniert.
- Bisherige Leistung anerkennen und würdigen
Ein Kernpunkt ist die bewusste Anerkennung dessen, was Menschen und Organisationen bereits geleistet haben – am besten sichtbar gemacht, z. B. in Ritualen oder kleinen „Feiermomenten“. Fehlt diese Wertschätzung, entstehen Blockaden, die jede Veränderungsbereitschaft im Unternehmen ausbremsen.
- Problemraum gemeinsam erkunden
Bevor Lösungen definiert werden, braucht es einen ehrlichen Blick auf den Problemraum: Wo sind die Pain Points der Ist-Situation, auf die sich wirklich alle einigen können? Erst dieses gemeinsame Verständnis schafft Commitment und die Grundlage, um Veränderungen gemeinsam zu tragen.
- Prägungen und Grundbedürfnisse reflektieren
Veränderungsbereitschaft ist eng mit unseren Grundbedürfnissen (z. B. Sicherheit, Autonomie, Weiterentwicklung) und früheren Erfahrungen verknüpft. Wer seine eigene innere „Landkarte“ kennt, versteht besser, warum bestimmte Veränderungen schwerfallen – und kann bewusst kleinere, passende Schritte wählen.
- Vom Gleichgewicht zur bewussten Veränderung
Systeme – und damit auch Organisationen – streben nach Gleichgewicht. Veränderung kostet Energie und braucht Anreize: extrinsisch (Druck von außen) oder intrinsisch (erkannte Sinnhaftigkeit). Veränderungsbereitschaft im Unternehmen entsteht, wenn beides zusammenkommt und Veränderung als Lernprozess verstanden wird.
- Lernkultur statt Fehlerkultur etablieren
Frank plädiert dafür, den Begriff „Fehlerkultur“ durch „Lernkultur“ bzw. Transfererfahrungen zu ersetzen: Experimente sind keine Fehler, sondern Gewinn an Unterscheidung im Vergleich zur Ausgangssituation. So entsteht ein Umfeld, in dem Menschen sich eher trauen, Neues auszuprobieren.
- Veränderungsarchitektur und Beteiligung gestalten
Professionelle Veränderungsprozesse brauchen eine klare Architektur: Wo werden Mitarbeitende abgeholt, wie werden sie beteiligt, welche Interventionen (z. B. Change-Projekte, Teamentwicklung, Persönlichkeitsentwicklung) setzen Impulse? So wächst Schritt für Schritt Veränderungsfähigkeit in Organisationen.
- Räume für individuelles Lernen schaffen
Veränderungsfähigkeit entsteht nicht in einem halbtägigen Widerstands-Workshop, sondern in wiederkehrenden Räumen für tieferes, individuelles Lernen. Organisationen, die solche Räume eröffnen, geben Mitarbeitenden Sicherheit und fördern gleichzeitig die Fähigkeit, sich selbst und die Organisation immer wieder neu zu erfinden.
Ich glaube, eine der wichtigsten Skills oder Kompetenzen wird zukünftig sein, sich immer wieder neu zu erfinden.
Frank Hartmann
Top Tipps
von Frank Hartmann
Top Tipp 1: Anerkenne die bisherige Leistung – sichtbar und ehrlich
Bevor du neue Projekte startest, nimm dir Zeit, das bisher Erreichte zu würdigen: Was lief gut, worauf kann das Team stolz sein? Kleine Rituale, Feiern oder bewusst gesetzte Wertschätzungssignale lösen innere Blockaden, weil der Traditionstroll merkt: Das Alte wird nicht einfach abgewertet oder ausgelöscht.
Top Tipp 2: Gemeinsam in den Problemraum hinabsteigen
Statt vorschnell Lösungen zu präsentieren, lohnt sich ein gemeinsamer Blick auf die Pain Points der aktuellen Situation. Wenn alle – inklusive der „Traditionstreuen“ – mit am Tisch sitzen und die Schmerzen der Ist-Situation mitformulieren, entsteht echtes Commitment: Dann wird Veränderung zur gemeinsamen Aufgabe, nicht zur verordneten Maßnahme.
Top Tipp 3: Räume für tiefes Lernen eröffnen
Veränderungsbereitschaft im Unternehmen wächst, wenn Menschen immer wieder Erfahrungen machen dürfen, aus denen sie lernen – jenseits von Standardlösungen und schnellen Change-Kampagnen. Schaffe Formate, in denen individuelle Entwicklung, Reflexion und neue Verhaltensweisen ausprobiert werden können; dort wird Veränderungsfähigkeit in Organisationen ganz praktisch kultiviert.
Fazit
Veränderung ist nicht das Problem, sondern unser Umgang damit ist es. Wenn Du den Traditionstroll als Teil Deiner selbst, Deines Teams und Deiner Organisation anerkennst, statt ihn zu bekämpfen, entsteht ein völlig neuer Spielraum: Du kannst Wertschätzung, Lernkultur und Beteiligung so gestalten, dass Veränderungsbereitschaft im Unternehmen wächst, ohne Menschen zu überfahren. Starte mit kleinen Schritten: Würdige das Bisherige, öffne den Problemraum und richte bewusst Lernräume ein – und mach so aus Widerstand Schritt für Schritt einen Verbündeten.
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